RAUMKONZEPTE AUS PAPIER

Gruppenausstellung mit Arbeiten von Astrid Busch, Verena Freyschmidt, Angela Glajcar, Hansjörg Schneider und Peter Weber.

Eröffnung am 25. November 2022, 18-21 Uhr

Ausstellungsdauer bis 18. Dezember 2022

Seit Papier existiert, sind die Menschen von diesem Werkstoff fasziniert. Papier verkörpert Zartheit und Stärke, Fragilität und Festigkeit, es wirkt gleichermaßen unberührbar wie haptisch anziehend. Kaum ein anderes Material der Kunst ist so sinnlich, so präsent und wandelbar.
Die Geschichte der Kunst zeigt, dass Papier seit Jahrhunderten als Träger für Zeichnungen, Skizzen oder Druckgrafiken dient. Dabei erreicht das Material in den meisten Fällen bei weitem nicht den Stellenwert wie die darauf zu sehenden Darstellungen.
Unsere Ausstellung vereint die Arbeiten von 5 künstlerischen Positionen, in denen das Papier aus seiner traditionellen Flächigkeit in eine dreidimensionale Form gebracht wird und somit eine erstaunliche Präsenz erlangt.
Die hier ausstellenden Künstlerinnen und Künstler widmen sich dem Papier als Werkstoff und erschaffen durch unterschiedliche Herangehensweisen wie Reißen, Schneiden, Falten, Knüllen und Überlagern, aber auch Spiegeln, dreidimensionale Werke. Die Ausstellung „Raumkonzepte aus Papier“ zeigt uns, wie unendlich wandelbar, facettenreich und einfach schön Papier ist.

Astrid Busch (*1968) stellt sich der Herausforderung einen Raum und dessen architektonische Gegebenheiten mithilfe ihrer Arbeiten zu verändern, um wiederum neue, inszenierte Räume entstehen lassen zu können. Erst einmal hält die Künstlerin mit ihrer Kamera an unterschiedlichen Orten der Welt, die sie regelmäßig bereist, gefundene Strukturen fest, die sie auf verschiedene Papiere druckt. Durch das Falten, Knicken oder auch Zerknüllen dieser Papiere erhält jede ihrer Arbeiten einen eigenen Klang. Durch diesen skulpturalen Eingriff gewinnt die Arbeit an Dreidimensionalität und kann nun Raum einnehmen.

Die künstlerische Arbeit von Verena Freyschmidt (*1975) bewegt sich im Bereich von Zeichnung, Malerei und Wandinstallation. Sie verwendet vorwiegend Papier, Schere und Farbe. Ihre mit Tusche und Farbstiften gezeichneten Linien, Strukturen und Formationen sind Gesehenem und Erinnertem entnommen, das sie in neue Zusammenhänge setzt. Es entstehen teilweise großformatige Papierschnitte, die gleichermaßen freie künstlerische Schöpfungen sind wie Anmutungen an die Natur. Gleich organischen Prozessen erobern fraktale Zufallsstrukturen, die durch Schütten und Abdrücken von Farbe entstehen, wachsend den Raum, Schicht für Schicht werden die Strukturen bearbeitet und am Schluss beschnitten. Bei ihr entsteht Raum durch Schnitte und Überlagerungen des Papiers.

Bei Angela Glajcar (*1970) wird Raum durch Schichtungen und Wölbungen gerissener Papierbahnen erzeugt, wodurch eine plastische Präsenz entsteht. Mithilfe des einfallenden Lichts entsteht ein aus sich heraus leuchtender Körper. Licht aus der Umgebung lässt die vielfältigen Farbtöne des Papiers zur Geltung kommen. Ein Wechselspiel von Licht und Schatten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Arbeiten führen zu einer multidimensionalen Arbeit.
Eine spiralförmige Tiefenwirkung wird erzeugt durch das Negativvolumen der filigran durchbrochenen Papierplanen. Glajcars Arbeiten interagieren nicht nur mit der Umgebung, sie schaffen auch einen eigenen neuen (Hohl-)Raum, welcher durch Lichteinflüsse lebendig wird und zum Eintauchen einlädt.

Mithilfe seiner Schneide- und Risstechnik entstehen bei Hansjörg Schneider (*1960) unterschiedliche räumliche Effekte, ein Gefühl für Vorder- und Hintergrund stellt sich ein. Er bearbeitet das Papier „zeichnerisch“ mit Cuttern, so dass vielfach durchbrochene Flächen mit gitternetzartigen Strukturen entstehen, die zu lichtdurchlässigen Gebilden und raumgreifenden Installationen werden.
Seine Vorliebe für konstruktive Strukturen führt den Künstler seit 2022 zu dreidimensionalen Papierobjekten, mit denen er neben den Papierschnitten und -reliefs lichte Skulpturen mit netzartigen Strukturen macht, die geometrische Formkörper aus einem Stück bilden.

Seit den frühen 1990er Jahren widmet Peter Weber (*1944) sein gesamtes künstlerisches Schaffen dem Spezialgebiet der Faltung und hat diese Technik zu einer virtuosen Meisterschaft entwickelt.  Durch seine vielfältigen Faltsysteme mit Papier und Karton lässt sich eine zweidimensionale Fläche ohne Schnitte in eine kleinere, dreidimensionale Einheit verwandeln. Es entstehen vielschichtig vernetzte geometrische Strukturen, welche den Betrachtenden dazu verleiten, diese Arbeit von mehreren Seiten anzuschauen. Somit nehmen die Reliefs aus Karton nicht nur Raum ein, sie erzeugen auch selbst eine neue Tiefe. Hier zeigt sich, wie entscheidend eine achtsame Planung ist, denn jeder minimale Berechnungsfehler eines Winkels oder eine unstimmige Maßeinheit verfälschen das Ergebnis und haben Auswirkungen auf die gesamte Komposition.

Wie die Ausstellung zeigt, stellt Kunst aus Papier nicht ausschließlich ein rein ästhetisches Faszinosum dar, sondern verweist auch auf Anleihen aus der Natur, der Architektur und der Mathematik. Mit handwerklich virtuosem Geschick im Umgang mit dem Material entstehen vielseitige sinnliche Schöpfungen.