ANGELA GLAJCAR - SNOWBLIND

Einzelausstellung (Objekte und Installationen aus Papier)
Eröffnung mit Rundgang der Galerien im Kontorhausviertel am 22. März 2019, 18-22 Uhr
23. März bis 3. April 2019

19 Uhr Einführung durch Sasa Hanten-Schmidt, Herausgeberin des Werkverzeichnisses von Angela Glajcar

Die Künstlerin ist anwesend.

Angela Glajcar ist Bildhauerin. Aus der Tradition kompakter Holz- und Metallskulpturen kommend, arbeitet sie heute vorwiegend installativ mit industriell gefertigtem Papier und technoiden Werkstoffen wie Glasgewebe und komplexen Kunststoffmaterialien. Glajcars häufig für einen spezifischen Ort entwickelten Skulpturen und Objekte werden von der Einbindung von Licht bestimmt. Einem breiteren Publikum bekannt wurde Angela Glajcar durch ihre „Terforationen“. Das sind Objekte aus hintereinander gestaffelten Papierbahnen, in denen durch Einreißen Räume entstehen. Terforation leitet sich einerseits von Perforation (vom lat. foramen = Loch) ab, also dem Durchlochen von Hohlkörpern oder flachen Gegenständen. Andererseits lehnt sich der von Glajcar etablierte Begriff an das lateinische Wort terra = Erde an. Damit spielt die Künstlerin auf den Begriff terra incognita (unerforschtes Land; figurativ: Neuland) an, um deutlich zu machen, dass es in ihrer Arbeit um die Erkundung unerforschter Gebiete geht. Denn terra incognita umreißt die vage Kenntnis, die Vermutung um Wissen, das zur Zeit noch nicht genau definiert werden kann. Was sich der genauen Definition entzieht, das ist das Gebilde, der Raum, der durch die Hintereinanderschichtung der Papiere mit Aussparung entsteht. Um den Blick auf dieses Dazwischen, dieses Nichts, das durch die Einbindung in die Arbeit doch Etwas ist, zu lenken, kann man nie ganz durch die Arbeiten schauen, denn die Löcher liegen so hintereinander, dass der Raum ins Ungewisse führt. Dass wir eine Höhle oder einen Tunnel zu erkennen glauben als dieses Innere, basiert auf unserem Erfahrungshorizont. Die von der Künstlerin geschaffenen Räume haben jedoch keinen direkten Bezug zur figürlichen Welt. Weder haben wir es also mit einer Höhle noch einem Abbild von einer Höhle zu tun. Alles, worauf wir geworfen werden, ist Platons Höhlengleichnis. Wir sehen, was wir sehen können oder wollen.
Angela Glajcar zeigt mit ihren Skulpturen die Möglichkeiten der Magie des Papieres auf, der Verheißung des weißen Blattes, sowie der Kraft und Beständigkeit, die Papier hat. Papier ist für die Ewigkeit.

Sasa Hanten-Schmidt