Verena Freyschmidt
Wie ein moosartiges Geflecht breiten sich amorphe Formen über die Wand aus. Sie wachsen als offene Gefüge, deren Ränder zerklüfteten Küstenlinien gleichen. Die Farbwelt aus fein aufeinander abgestimmtem Anthrazitgrau, Samtschwarz, Waldboden-Grün, Blaugrau, Ockerrot und gebrochenem Weiß verortet die organisch geformten Gebilde assoziativ im Bereich der Natur. Ideen von Baumrinde, von Flechten und Steinmaserungen keimen im Geiste auf. Tritt man näher an die Arbeiten der Künstlerin Verena Freyschmidt heran, so zeigt sich, dass der Makrokosmos der Gesamtform jeweils einen Mikrokosmos an feinen Strukturen birgt. Farbverläufe und Farbverdichtungen, mit weißer Farbe gesetzte Schraffuren und mit Tusche gezeichnete Strichfolgen fügen sich zu einer Gestaltung, die abstrakt ist und zugleich die Phantasie beflügelt. Wie beim Betrachten von Wolken lassen sich darin ganze Welten entdecken. Das kleinste Element der rhizomartigen Formen bilden Striche, unzählige Striche. In ihrer scheinbar unendlichen Wiederholung verdichten sie sich zu einzelnen Formationen, die gemeinsam in einem Gesamtgefüge verschmelzen. Diese übergeordnete Struktur erinnert in ihrem Aufbau an Fraktale. Damit ist ein geometrisches Muster gemeint, das eine hohe Selbstähnlichkeit aufweist, was dann der Fall ist, wenn ein Gebilde aus verkleinerten Kopien seiner selbst besteht. Die Kopien müssen dabei keineswegs identisch sein, die fraktale Geometrie lässt sich auch auf natürliche Elemente wie Bäume oder Küstenlinien anwenden. Diese Analogie erklärt die seltsame Vertrautheit, die von Verena Freyschmidts Werken ausgeht – denn die ihnen innewohnende Ästhetik ist eine uns Menschen seit Urzeiten bekannte, bestimmt sie doch den Aufbau der Welt um uns herum. So erforscht die Künstlerin mit ihren Werken die Zusammenhänge hinter allen Dingen. Ohne abbildend im Sinn realistischer Malerei zu werden, thematisiert sie die grundlegenden Strukturen, die sich im Kleinen wie im Großen stets wiederholen.
Text: Anne Simone Kiesiel
Die Künstlerin, 1975 in Frankfurt am Main geboren, lebt und arbeitet in Hanau und Offenbach am Main. Auf das Studium der Geschichte und Kunstpädagogik in Gießen folgte das Kunststudium, erst in Mainz, dann an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Helmut Federle. Freyschmidt ist eine der drei Paper Art Award Gewinner:innen 2025, verliehen vom Museum Haus des Papiers – Bildende Papierkunst, Berlin.
1975 geboren in Frankfurt am Main. Lebt und arbeitet in Hanau und Offenbach am Main.
| 1996-2000 | Justus-Liebig-Universität Gießen, Geschichte und Kunstpädagogik |
| 2000-2002 | Akademie für Bildende Künste Mainz, Malerei bei Winfried Virnich |
| 2002-2006 | Kunstakademie Düsseldorf, Malerei bei Helmut Federle |
| 2015-2019 | Lehrauftrag für Zeichnen, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter/Bonn |
| 2016-2017 | Mitglied von SPAM-contemporary, off-space, Düsseldorf |
| 2020-2021 | Lehrauftrag für Ästhetische Praxis, Kunsthochschule Kassel, Kassel |
Preise und Stipendien
| 2025 | Paper Art Award (Bronze), Haus des Papiers, Berlin |
| 2023 / 2025 | Hessisches Atelierprogramm, gefördert vom HMWK und basis e. v. Frankfurt |
| 2022 | Stipendium Stiftung Kunstfonds / Neustart Kultur |
| 2021 | Arbeitsstipendium des Landes Sachsen-Anhalt, Kunstverein Röderhof Stipendium Stiftung Kulturwerk |
| 2020 | Arbeits- und Projektstipendium, Hessische Kulturstiftung, Wiesbaden Katalogförderung, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden Förderstipendium, Spiegelberger Stiftung, HamburgFörderstipendium Hessische Kulturstiftung |
| 2015 | Artist residency, myart, Wien, Österreich Artist residency, Szent-Andras-Kastely, Bolcske, Ungarn Nominierung für den Preis der Darmstädter Sezession |
| 2013 | Stipendium des Goethe-Instituts Malaysia, Artist residency, Kuala Lumpur, Malaysia |
| 2011-2012 | Werkstipendium des onomato Künstlerverein, Düsseldorf |
| 2011 | Artist in residence, Wien, Österreich Ausstellungsförderung des Goethe-Instituts Belgrad, Serbien |
| 2010 | Förderstipendium der Lepsien Art Foundation, Düsseldorf |
| 2009 | Stipendium der Stadt Düsseldorf, Artist in Residence, Belgrad, Serbien |
| 2006 | Moldaustipendium, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden |
Einzelausstellungen
| 2025 | Resonanzen, Galerie Nanna Preußners, Hamburg Transform, Galerie des Regierungspräsidiums Darmstadt, Darmstadt (mit Paul Hirsch) |
| 2024 | Verwandlung und Stille, Neue Galerie Landshut, Landshut (mit Tilmann Zahn) |
| 2023 | Contour, Städtische Galerie, Neuss (mit Karina Pauls) Wandlungen, Kunstverein Bellevue-Saal, Wiesbaden (mit Maike Häusling) |
| 2022 | Refer - Reduce - Repeat, Galerie Maurer, Frankfurt (mit Dorthe Goeden) Begegnungen, Kunstverein Würzburg, Würzburg Verena Freyschmidt - Papierschnitte, bok Galerie, Offenbach |
| 2021 | Kunst in Kirchen (mit Dorthe Goeden), Wetterau |
| 2020 | Von Fraktalen und anderen Formen, Atelier Orbit24, Frankfurt/Main |
| 2018 | Rhizome, Neuer Kunstverein Gießen, Gießen Schattenpfade Helsinki (mit Lasse-Marc Riek), Galerie Akusmata, Helsinki, Finnland |
| 2016 | Metamorphosen, Kunstverein Trier Junge Kunst Papierarbeiten 6, Galerie Maurer, Frankfurt am Main (mit Katrin Paul) |
| 2015 | Pattern and geoform, RAUM Oberkassel, Düsseldorf (mit Jeannette Schnüttgen) Wolken sind keine Kugeln, Showroom Tina Miyake, Düsseldorf |
| 2013 | Bat walk, Petaling Street Art Space, Kuala Lumpur, Malaysia Organics, Galerie Alte Lateinschule, Viersen (mit Ulli Böhmelmann) |
| 2011 | Fractal structures, myart, Wien Construction - deconstruction, Galerie der Universität Belgrad, Belgrad, Serbien |
| 2010 | Back from, Atelier am Eck, mit Yukako Ando, Düsseldorf Kunstverein Duisburg, Duisburg (mit Wonkun Jun) |
| 2009 | Galerie Flu der Kunsthochschule Belgrad, Serbien |
Gruppenausstellungen
| 2025 | Fabric of Dreams, Haus des Papiers, Berlin Grafik Grenzenlos - Ausstellung zum 13. Nordhäuser Grafikpreis, Kunsthaus Meyenburg, Nordhausen Geheimnis, Museum Schloß Burgau, Düren Aus gegebenem Anlass, Freitagsküche, Frankfurt am Main |
| 2024 | Verspielt – Roulette mit der Insekten- und Pflanzenwelt, Palmengarten Frankfurt, Frankfurt am Main Interbeing, Deutscher Künstlerbund, Berlin |
| 2023 | Unterwegs, Kunstmuseum Paderborn, Paderborn Zollamt Positions, Zollamt Galerie, Offenbach Reflektor, Tufa, Trier |
| 2022 | In Spaces, Kajaani Art Museum, Kajaani, Finnland (mit Lasse-Marc Riek und Nicole Ahland) Die Grosse, Kunstpalast, Düsseldorf Raumkonzepte aus Papier, Galerie Nanna Preußners, Hamburg Reflektor, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz Papier = Kunst 10, Neuer Kunstverein Aschaffenburg, Aschaffenburg Destructura, Städtische Galerie im Park, Viersen |
| 2021 | Still Alive, Deutscher Künstlerbund, Berlin Collage - openstudio, Kunstverein Röderhof, Röderhof Kunst aus Neuss, Städtische Galerie, Neuss |
| 2020 | Patterns, structures, lines, Galerie Nanna Preußners, Hamburg (mit Daniela Wesenberg und Tilmann Zahn) |
| 2019 | Additionen, rk - Galerie, Berlin Hausgeister - Künstler sammeln Kunst, Literaturhaus Halle, Halle |
| 2018 | Einundzwanzig, Kunstverein Gießen im KIZ, Gießen The flying field, CLB, Berlin L'angle du hasard, modena artlab, Wien Hausgeister - Künstler sammeln Kunst, Museum Naumburg, Naumburg Grænselandsudstillingen, Sønderjyllandshallen, Aabenraa, Dänemark |
| 2017 | Paper(s) Art, Galerie Matthias Erntges, Düsseldorf Strichstärke, PETERSBURGER Raum für Kunst, Köln Das Esszimmer goes Weltraum, Weltraum, Basel, Schweiz Wachsen - wiederholen - variieren, Künstlerhaus Sootbörn, Hamburg (mit Ralf Gemein und Ildefons Höyng) Schattenpfade, Kunstverein Friedberg in Lich 30 Jahre Artmark, Artmark Galerie, Wien L'angle du hasard, Mitterberggasse, Wien |
| 2016 | Drei Positionen aus Düsseldorf, Galerie Bernhard Bischoff, Bern, Schweiz (mit Stefan à Wengen und Robin Merkisch) Paper Tiger, Studio Bronx, Neuss Transitions, Galerie Lattemann, Darmstadt Abstract strategies, Boecker Contemporary, Heidelberg |
| 2015 | 68. Jahresausstellung, Städtische Galerie, Neuss Aufbruch, Ausstellung zum Preis der Darmstädter Sezession, Technische Universität, Darmstadt Abstract strategies, Galerie Martina Kaiser (Köln), Poiesis Spec (Berlin), Mirta Demare ruimte voor actuele kunst (Rotterdam) Abstract strategies, Galerie Schütte, Essen Transitions, Artmark Galerie, Wien |
| 2014 | Abstrakt, SPAM contemporary, Düsseldorf Memory, Städtische Galerie Alte Post, Neuss |
| 2013 | Übermalen, Ausstellung zum Preis der Darmstädter Sezession, Designhaus, Darmstadt 66. Jahresausstellung, Kulturforum Alte Post / Städtische Galerie, Neuss Randlage Hansa 9, Atelierhaus Hansastrasse, Neuss MA, Shiwory gallery, Kurashiki, Japan Continent 2000, Galerie Lethert, Bad Münstereifel |
| 2012 | MA - Lob dem Zwischenraum, Artmark Galerie, Wien Continent 2000, Werft 77 - Kunst im Hafen, Düsseldorf Stipendiaten Abschlussausstellung, onomato, Düsseldorf |
| 2011 | Grants 10/11, Lepsien Art Foundation, Düsseldorf Alles in ein Sackerl, Kulturdrogerie, Wien 3-DAY-STAND, Brooklyn Fire Proof, New York, USA Raum - Spur - Vorstellung, Kunstverein Ibbenbüren, Ibbenbüren |
| 2010 | Kunst aus Neuss, Städtische Galerie, Neuss |
| 2009 | 10 Jahre Moldaustipendium, Staatskanzlei, Wiesbaden |