ATEM-WENDE

Ich hole tief Luft und denke an MA, “Atem-wende”,
an den Moment des Schweigens,
der Pause,
dem Raum zwischen etwas und
den Rhythmus,
den das erzeugt.
Hat Stille eine Farbe, eine Form?
Hinterlassen Schatten Spuren?

Zitiert aus: Isabella Berr „Bilder, Worte, Fragen“, nach 50 Tagen Japan

In ihren Fotografien setzt Isabella Berr das Prinzip der Unschärfe konsequent ein, so dass feste Körper, Konturen und Details bis zur Auflösung verschleiert sind. Verbleibende narrative Elemente sowie die Andeutung von Orten und Räumen führen ins Unbestimmbare und muten wie Traumsequenzen in einem Zustand der Erstarrung an. Entstanden im öffentlichen Raum, fast wie im Vorübergehen, sind die Bilder jedoch sorgfältig ausgewählt. Durch die Unschärfe entfaltet Berr in den geheimnisvoll wirkenden Arbeiten eine unaufdringliche Intensität, die im Betrachter Erinnerungen an vertraute Orte und Menschen hervorruft. Statt die Aufnahmen als Beweis dafür zu verwenden, was sich in einem festgefrorenen Augenblick womöglich ereignet hat, kann der Betrachter darüber nachdenken, was sich alles ereignen könnte: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft müssen nicht statisch sein. Erstarrung und Reglosigkeit lösen sich und die Farben und Formen beginnen vor den Augen zu tanzen, vielfache Identitäten und Bedeutungen werden möglich. Die Bilder verführen den Betrachter zu Kontemplation und Loslösung von der „Wirklichkeit“ und  zeigen eine Welt, in der sämtliche Bildebenen zu einem einzigen Raum verschmelzen. Ob die Zeit für einige Augenblicke stillzustehen vermag, hängt von der Bereitschaft des Betrachters zu einer veränderten Wirklichkeitswahrnehmung ab. Berrs Fotografien bieten die Möglichkeit, sich dem normalen Wahrnehmungsfluss zu entziehen und über eine ihnen innewohnende Erzählung nachzudenken.